Das Görres-Institut ist Kardinal Lehmann großen Dank schuldig

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Kardinal Lehmann 1997 am Campo Santo Teutonico mit ehemaligen Kollegiaten Kardinal Lehmann 1997 am Campo Santo Teutonico mit ehemaligen Kollegiaten Heute früh in der Sakristei ereilte die zahlreichen Priester des Campo Santo und die Gäste in dem Moment, in dem wir die Sonntagsmesse am Campo Santo Teutonico feiern wollten, die Nachricht vom Hinscheiden Kardinal Lehmanns. Seine Leidenszeit war allen bekannt, doch ist es noch einmal etwas anderes, den endgültigen Abschied zu nehmen. Er war dem Campo Santo über Jahrzehnte hinweg als Bischof und Kardinal treu und aufrichtig verbunden.

Kardinal Lehmann war schon als Professor selbstverständlich Mitglied der Görres-Gesellschaft, die in ihm einen starken, uneigennützigen Förderer fand. Er blieb ein Mann der Wissenschaft, der auch die Arbeit des Römischen Instituts der Görres-Gesellschaft geschätzt hat. Jedesmal, wenn wir uns trafen, gab er davon Zeugnis, auch als er längst nicht mehr Vorsitzender der Bischofskonferenz war. Er hat auch den Rektor des Campo Santo, Erwin Gatz, nach Kräften gefördert.

Es gab in den vergangenen Jahren unvergessliche Highlights. 1997 kam Kardinal Lehmann zur 1200-Jahrfeier des Campo Santo Teutonico und hielt einen Vortrag über den Nutzen des Studiums der Theologie in Rom und würdigte dabei die Leistung der Erzbruderschaft, die sie als Eigentümerin des Campo Santo seit 1876 für das Priesterkolleg bringt. 2010 nahm er in Rom am großen, von Giancarlo Caronello organisierten Erik Peterson-Kongress teil (Tagungsakten) und führte die Gruppe der Teilnehmer der Privataudienz bei Papst Benedikt XVI. an. Benedikt glänzte durch seine Ausführungen und persönlichen Erinnerungen an den großen Gelehrten Peterson; er wusste noch, wann er welches Buch von Peterson erstmals in der Hand gehalten hatte!

Ich muss aber auch eine persönliche Erinnerung anschließen. Als ich als kleiner Habilitand mit meiner Mutter in das heute so nicht mehr bestehende Restaurant "La Frusta" kam, saß dort Kardinal Lehmann allein, Zeitung lesend, und wollte sicher nicht gestört werden. Auf einmal legte er die Zeitung nieder, kam an unseren Tisch und erwies sich als so überaus charmant, dass meine Mutter hellauf begeistert war. Da wir aus dem Frankfurter Raum stammen, war der Draht sowieso kurz. So habe ich den Kardinal einmal von einer ganz inoffiziellen Seite aus erlebt.

S. Heid