Römische Notizen

Römische Weihnachtsbäume - ein Thema für sich

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Nur ein Schatten: Weihnachtsbaum auf dem Petersplatz Nur ein Schatten: Weihnachtsbaum auf dem Petersplatz Die Weihnachtsoktav ist mit dem Neujahrstag abgeschlossen. Aber die meisten Straßen sind nach wie vor festlich geschmückt. Allem voran sind die Weihnachtsbäume nach wie vor im Stadtbild präsent – auch hier in Rom. Direkt neben der Krippe am Obelisken steht auf dem Petersplatz eine große Fichte. Wie in Deutschland bleiben die Weihnachtsbäume in den meisten Familien mindestens bis zum Fest der Heiligen drei Könige am 6. Januar stehen. Sofern sie nicht zu sehr nadeln, ist es einigen Bäumen sogar vergönnt bis Lichtmess stehen zu bleiben. Die deutsche Tradition des Weihnachtsbaums hat seit dem 19. Jahrhundert in der ganzen Welt Verbreitung gefunden. Oft liest man noch, dass in Italien einzig und allein die Krippe – il presepio – im Vordergrund steht. Das ist so allerdings nicht ganz richtig.

 

Natürlich wird in den meisten italienischen und auch deutsch-italienischen Familien bereits am 8. Dezember die Krippe aufgebaut und das Jesuskind dann am Heiligen Abend hineingelegt. Aber es steht schon auch ein Weihnachtsbaum daneben. Interessant ist jedoch, was für Varianten aus Fichte, Tanne, Douglasie oder Hartplastik zum Einsatz kommen. Halten Sie einmal die Augen offen: Nur wenig „Tannenbäume“ werden dieser allround-Bezeichnung in Rom wirklich gerecht. Natürlich, in der Mitte des Petersplatzes steht üblicherweise ein veritabler Nadelbaum. Vor drei Jahren war es der bislang größte mit 33m Höhe, 9t schwer und über 100 Jahre alt. Der jetzige Baum wirkt neben dem großen Obelisken dagegen vergleichsweise klein. Er macht aber doch zumindest im Dunkeln mit seinen geradlinig angebrachten weißen und grünen Lichterketten „bella figura“.

Weihnachtsbeleuchtung auf dem Corso Weihnachtsbeleuchtung auf dem Corso Anders sieht es da im modernen römischen Statdzentrum aus. Auf der Piazza Venezia, dem Verkehrsknotenpunkt vor dem Vittoriano, stand zu Beginn der Adventszeit ebenfalls eine große gerade gewachsene Fichte. Sobald es dämmerte entpuppte sie sich jedoch als grünbläulich schillernde Ungetüm mit runden Leuchtplaketten. Zwar ist die Blickachse der alten Via Lata direkt gegenüber bis hinunter zur Piazza del Popolo auch nicht viel stimmungsvoller in ein grün-weiß-rotes politisches Lichtermeer getaucht ist, das mit den Farben der italienischen Fagge an das Jubiläum „150 Jahre Republik“ gedenkt. Der raketenähnliche, kaltblau schimmernde Baum, um den der gesamte Verkehr der Metropole tost, scheint keine Gnade vor der stadtrömischen Bevölkerung gefunden zu haben. Knapp zwei Wochen später wurden die Lichterketten ausgetauscht und eine mildere Version des gleichen Baums umrahmt nun eine leuchtende Krippenlandschaft auf der Verkehrsinsel.

Soviel zu Volkes Wunsch und Wille. Was in italienischen Familien hingegen oft als Weihnachtsbaum dekoriert wird, sind alljährlich abzustaubende Plastikbäumchen. Nachhaltigkeit? Nein, wohl eher Sparsamkeit als ökologisches Bewusstsein. Dazu blinkende 2.404 elektrische Kerzen „Adeste Fideles“ in den Farben pink, hellgrün und leuchtend orange. Alles andere wäre anscheinend langweilig und nicht pompös genug... Aber das soll genügen. Weihnachtsbäume sind eben ein unerschöpfliches Thema und es gibt in Rom sicherlich neben jeder Portiersloge in jedem Mietshaus ein ganz eigenes Exemplar! Genießen Sie den Jahresbeginn! Frohes Neues Jahr 2012!

B.K.