Römische Notizen

Licht ins Dunkel des Geheimarchivs!

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Die Ausstellung über das Vatikanarchiv auf dem Kapitol ist bis September geöffnet

In Rom konkurrieren so viele Ausstellungen um die Besucher, aber diese lohnt sich: die Ausstellung des Vatikanarchivs in den Kapitolinischen Museen. "Lux in Arcana" macht bereits im Titel deutlich, dass sie Licht auf das Vatikanische "Geheimarchiv" und seine Bestände werfen will. Dem Besucher wird ein Blick auf Bestände, Strukturen und Aktivitäten des Archivs gewährt. Was sich auf den ersten Blick trocken anhört, entpuppt sich als Blick in eine Schatzkammer: Dokumente aus vielen Jahrhunderten und Regionen der Welt, Schätze aus den Magazinen des Archivs, aber auch Einblicke in die Lesesäle, den Alltag der Wissenschaftler, die das Archiv täglich nutzen, und in die Restaurierungswerkstätten.

Eine ähnliche Ausstellung hatte vor wenigen Jahren schon die Vatikanbibliothek durchgeführt, als sie mehrjährig geschlossen war. Nun also ein ähnlicher Versuch des Vatikanarchivs, Außenstehende gleichsam ins Archiv hineinzulassen und eben doch nicht hineinzulassen. Denn die Ausstellung findet nicht im Vatikanarchiv selbst, sondern in den Kapitolinischen Museen statt.

Der Präfekt des Geheimarchivs, Bischof Sergio Pagano, erklärte im Vorfeld, dass der "romanhafte Mythos über das Geheimarchiv", der durch die Bestseller wie von Dan Brown geschürt worden ist, zerstreut werden soll, um einen Blick auf den Alltag im Archiv zu ermöglichen. Neben der Abdankungsurkunde von Christina von Schweden aus dem 17. Jahrhundert, können in der Ausstellung seidene Briefe aus China bewundert werden, die 1650 an Innozenz X. gerichtet waren. Die Einschreibung der ersten Schweizer Gardisten liegen vor. Ein besonders faszinierendes Schriftstück stellt ein 60m langes aufgerolltes Pergament dar. Der Rotolo enthält 231 Artikel zum Prozess gegen den Templer-Orden in Frankreich. Inkunabeln, Registerbände, Supplikenregister. Mit aufwendigen Videoinstallationen und kurzen Texten zur Entstehungsgeschichte und zum historischen Kontext spricht die Ausstellung Laien genauso an wie den Experten. Im zweiten Stock wird die Arbeit des Restaurators eindrücklich vor Augen geführt, indem zunächst restaurierte Akten gezeigt werden und dann beschädigte Stücke. Wasser- und Feuerschäden, Pilzbefall, Wurmlöcher und Mäusefraß zeigen sprichwörtlich den Zahn der Zeit.

Besonders viel Aufmerksamkeit kam bereits im Vorfeld der letzten Sektion der Ausstellung zu. Der Saal trägt den Titel il "Periodo Chiuso" – the "closed period" und verweist damit auf die "verschlossene Zeit" des Zweiten Weltkriegs. Die Katalogisierungsarbeiten zu Beständen nach 1939 sind noch nicht abgeschlossen, und diese Dokumente stehen den Forschern bislang noch nicht zur Verfügung. Trotzdem werden in der Ausstellung Tagebücher und Fotografien aus den 1940er Jahren gezeigt. Hierunter fallen beispielsweise Schreiben von Edith und Rosa Stein an Papst Pius XII. Es sind erste Vorboten der Dokumente, auf die Wissenschaftler aus aller Welt warten.

Ein Ausstellungskatalog ist in italienischer und englischer Sprache für nur 14,00 EUR im Bookshop der Kapitolinischen Museen zu erwerben.

B.K.